Vorsorge & Diagnostik

Im Bereich der Darmkrebsvorsorge gilt die Darmspiegelung derzeit als sogenannter Goldstandard. So bezeichnet man medizinische Lösungen, an denen andere Methoden hinsichtlich ihrer Analysequalität gemessen werden. Bei einer Darmspiegelung untersucht ein Facharzt – in der Regel ein Gastroenterologe – den Darm des Patienten durch einen medizinischen Eingriff mit einem Endoskop.

Die S3-Leitlinie empfiehlt die Koloskopie jeweils im Alter von 55 und 65 Jahren. Das Verfahren errreicht bei Adenomen, einer verbreiteten Krebsvorstufe, mit einer Größe von mindestens 10 mm eine SensitivitätAnteil richtig-positiver Ergebnisse, vereinfacht „Erkennungsrate von Kranken“. von bis zu 100%. Die frühzeitige Diagnostik von Darmkrebs stellt allerdings eine Herausforderung dar: Rund 90 % aller Darmkrebserkrankungen entstehen aus langsam wachsenden und zunächst gutartigen Polypen oder Adenomen. Die meisten Adenome sind im Durchmesser kleiner als 10 mm.1 Nur wenige werden größer und entarten zu malignen Darmtumoren. Da es sich hierbei um einen langwierigen Prozess handelt, der üblicherweise 10 bis 15 Jahre dauert, bieten sich ausreichend Möglichkeiten zur Früherkennung und Behandlung. Wird Darmkrebs durch eine Vorsorgeuntersuchung in einem frühen Stadium erkannt, sind die Heilungsaussichten sehr gut. Bei frühzeitiger Erkennung kann Darmkrebs bei bis zu 100 % der Betroffenen geheilt werden.1,2,3

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Größte Nachteile sind, dass selbst bei Nicht-Risikopatienten ein Eingriff vorgenommen werden muss sowie die vorangehende, teils mehrtägige DarmreinigungVor einer Darmspiegelung ist eine vollständige Darmentleerung mithilfe eines Abführmittels notwendig.. Beides führt dazu, dass nicht einmal jeder Fünfte trotz Kostenübernahme durch die Krankenkassen eine Koloskopie über sich ergehen lassen möchte.4 Zudem birgt jedes invasives VerfahrenVerfahren, die ein Eindringen in den menschlichen Körper voraussetzen. gesundheitliche Risiken. Auch lassen sich noch nicht sichtbare Vorstufen von Darmkrebs prinzipbedingt durch endoskopische Untersuchungsverfahren nicht identifizieren.

Damit nicht weite Teile der Bevölkerung gänzlich auf Darmkrebsvorsorge verzichten, wird alternativ ab dem 50. Lebensjahr jährlich ein immunologischer Okkultbluttest (iFOBTStuhltest, der humanes Blut im Stuhl detektiert und seit 2017 Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist.) empfohlen.3 Dieses Verfahren erfährt als Stuhltest eine viel breitere Akzeptanz in der Bevölkerung, weil kein invasiver Eingriff notwendig ist. Ein weiterer Vorteil ist ihre hohe SpezifitätAnteil richtig-negativer Ergebnisse, vereinfacht „Erkennungsrate von Gesunden“. von mindestens 90 %. Die Sensitivität muss hingegen selbst in den neuesten Richtlinien vom 01. April 2017 nur mindestens 25 % übersteigen.5

Insgesamt bleiben bisher aufgrund dieser beiden Optionen viele Darmkrebsfälle zu lange unerkannt. Um jährlich alleine in Deutschland tausende Todesfälle zu vermeiden, wird daher seit Langem an der Entwicklung sensitiverer Stuhltests gearbeitet. Analysen auf Tumor-DNADNA, die aus veränderten Zellen stammt und unkontrolliertes Zellwachstum verursachen kann. etwa können dabei den etablierten Okkultbluttest sinnvoll ergänzen. Dabei wird im Labor gezielt nach Tumorzellen gesucht, welche sich von gesunden Zellen unterscheiden.

Folgende Tabelle gewährt Ihnen eine Übersicht über die beiden Kassenleistungen in Deutschland sowie der beiden weltweit verfügbaren Tests, die Tumor-DNA analysieren.

Übersicht der am Markt verfügbaren Darmkrebsvorsorgemethoden

Methode

ColoAlert

ColoGuard

iFOBTStuhltest, der humanes Blut im Stuhl detektiert und seit 2017 Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist.

Darmspiegelung

Basisdaten

Beschreibung

DNA-Kombitest (Deutschland)

DNA-Kombitest (USA)

Basisstuhltest der Krankenkassen zur Darmkrebsvorsorge

Endoskopie des Dick- und Enddarms

Detektion von OkkultblutVerstecktes Blut im Stuhl, welches für das menschliche Auge nicht sichtbar ist.

nicht zutreffend

Quantifizierung humaner DNA

nicht zutreffend

KRAS-Genanalyse

nicht zutreffend

BRAF-Genanalyse

nicht zutreffend

MethylierungsanalyseMolekulardiagnostische Methode, um Darmkrebs zu detektieren.

nicht zutreffend

Analytische Qualität

SensitivitätAnteil richtig-positiver Ergebnisse, vereinfacht „Erkennungsrate von Kranken“.

85 %

92 %

> 25 %Mindestwert gemäß Vorsorgerichtlinie

~ 100 %

SpezifitätAnteil richtig-negativer Ergebnisse, vereinfacht „Erkennungsrate von Gesunden“.

92 %

87 %

> 90 %Mindestwert gemäß Vorsorgerichtlinie

~ 100 %

Erkennung von Flat TumorsBesonders unauffällige Tumore, die hauptsächlich ins innenliegende Gewebe wachsen.

DetektionslimitBezeichnet technisch bedingte Mindestvoraussetzungen eines Testverfahrens.

keines (ab der 1. Genveränderung)

Blutungen

~ > 5mm Größe

Komfort & Geschwindigkeit

Probe

wenige Gramm einer Stuhlprobe

kompletter Stuhlgang

wenige Gramm einer Stuhlprobe

keine

Vorbereitung

keine

DarmreinigungVor einer Darmspiegelung ist eine vollständige Darmentleerung mithilfe eines Abführmittels notwendig.

VorbereitungsdauerZeitaufwand, den ein Patient vor dem eigentlichen Vorsorgeverfahren aufbringen muss.

< 10 Minuten

1 - 2 Tage

Anzuwenden alle...

3 Jahre

1-2 Jahre

10 Jahre

Behandlung

In frühen Stadien ist Darmkrebs gut behandelbar und bei bis zu 100 % aller Betroffenen heilbar.6,7 Wenn es gelingt, das Krebsgewebe vollständig zu entfernen, gilt der Patient als geheilt. Dies ist jedoch nur möglich, wenn es noch örtlich begrenzt ist und keine Metastasen gebildet hat.

In den meisten Fällen von Darmkrebs ist dieser Eingriff der wichtigste Schritt der Behandlung. Der Tumorschnitt wird anschließend feingeweblich untersucht, um die Diagnose hinsichtlich Krankheitsstadium und Wachstumsverhalten des Tumors zu vervollständigen. Diese Informationen bilden die Basis für die weitere Planung der Krebstherapie.4

[1] Cotton PB et al. (2004). JAMA 291(14), 1713–1719.

[2] Felix Burda Stiftung (o.J.). [http://www.felix-burda-stiftung.de/darmkrebsvorsorge/wer-ist-betroffen, Stand: 08.08.2018].

[3] Deutsches Krebsforschungszentrum (2017). [https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/frueherkennung.php, Stand: 09.08.2018].

[4] Schäfer M et al. (2012). Deutsches Ärzteblatt 109(11), A-528 / B-452 / C-448.

[5] Krebsfrüherkennungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (2016). [https://www.g-ba.de/downloads/39-261-2572/2016-04-21_KFE-RL_Bewertung-iFOBT_BAnz.pdf, Stand: 09.08.2018].

[6] Schäfer M et al. (2012). Deutsches Ärzteblatt 109(11), A-528 / B-452 / C-448.

[7] Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF (2017). Leitlinienprogramm Onkologie, Langversion 2.0. AWMF Registrierungsnummer: 021-007OL. [https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/kolorektales-karzinom/, Stand: 09.08.2018].